KI-gestütztes Coding im Mittelstand: Wie SCHUBS eigene Werkzeuge für die Schaltschrank-Fertigung entwickelt

Geschrieben von SCHUBS GmbH | May 15, 2026 10:32:49 AM

TL;DR: SCHUBS entwickelt mit KI-gestütztem Coding gezielt eigene, kleine Softwarewerkzeuge für die Fertigung — statt auf Standardsoftware mit Kompromissen oder externe Entwicklungsprojekte mit langen Abstimmungsschleifen zu warten. Ein konkretes Beispiel: eine Anwendung, die Stücklisten und Layoutdaten einliest und daraus visuelle Montagehilfen generiert. Damit wird der Mittelstand unabhängig von Softwareanbietern, die selten genau den eigenen Anwendungsfall abbilden.

Was bedeutet KI-gestütztes Coding im industriellen Mittelstand?

KI-gestütztes Coding bedeutet, mit Hilfe von KI-Assistenten — etwa Claude, ChatGPT oder GitHub Copilot — Softwarewerkzeuge zu entwickeln, ohne ein vollständiges Entwicklerteam zu beschäftigen oder externe Software-Dienstleister zu beauftragen. Statt monatelang an Anforderungsdokumenten zu arbeiten oder Kompromisse mit Standardsoftware einzugehen, lassen sich kleine, funktionale Tools direkt auf Basis konkreter Fertigungsbedürfnisse bauen.

Für den industriellen Mittelstand verändert das die Spielregeln in einem Punkt grundlegend: Die Hürde, eigene Software zu erstellen, ist gefallen. Was früher ein IT-Projekt mit sechsstelligem Budget war, kann heute eine konzentrierte Arbeitswoche eines technisch interessierten Mitarbeiters sein.

Wichtig dabei: KI-gestütztes Coding ersetzt nicht Softwareentwicklung als Disziplin. Es senkt die Eintrittshürde für kleine, klar abgegrenzte interne Werkzeuge — und zwar für Use Cases, bei denen weder Standardsoftware noch externe Entwicklung wirtschaftlich oder zeitlich sinnvoll wären.

Warum baut SCHUBS eigene Werkzeuge statt Standardsoftware zu kaufen?

SCHUBS hat sich für eigene Werkzeuge entschieden, weil die Realität in einer mittelständischen Schaltschrankbau-Werkstatt selten zu Standardsoftware passt. Drei klassische Wege gibt es typischerweise — und alle drei haben Schwächen:

  • Standardsoftware mit Kompromissen. Funktioniert, aber bildet nie genau den eigenen Prozess ab. Anwender müssen sich an die Software anpassen, nicht umgekehrt.
  • Externe Softwareentwicklung. Liefert maßgeschneiderte Lösungen, ist aber teuer, langsam und an lange Abstimmungsschleifen gebunden. Bis das Tool fertig ist, hat sich der Prozess oft schon geändert.
  • Manuelle Workarounds. Excel-Tabellen, Word-Vorlagen, manuelle Schritte. Funktionieren bis zu einem gewissen Punkt, skalieren aber nicht und sind fehleranfällig.

SCHUBS geht einen vierten Weg: selbst entwickelte Tools mit KI-Unterstützung. Klein, präzise auf einen Zweck zugeschnitten, schnell umsetzbar und nah an der Realität der eigenen Fertigung.

Welches konkrete Tool hat SCHUBS gebaut?

Ein konkretes Beispiel aus dem SCHUBS-Alltag ist eine Anwendung für Montageassistenz und Bauteilplatzierung. Das Tool:

  • liest Stücklisten und Layoutdaten direkt aus den Konstruktionsdaten ein
  • erzeugt daraus eine visuelle Montagehilfe
  • positioniert Bauteile positionsgenau auf der Montagetafel
  • strukturiert die Montageschritte logisch nachvollziehbar
  • berücksichtigt Projektvarianten automatisch, ohne dass jede Variante neu angelegt werden muss

Für die Mitarbeitenden in der Werkstatt bedeutet das: weniger Suchen in Plänen, weniger Rückfragen, eine klarere Reihenfolge der Arbeitsschritte. Für die Fertigung bedeutet es: konstantere Qualität und kürzere Durchlaufzeiten — auch bei komplexen oder selten gebauten Projekten.

Das Tool ersetzt keine kommerziell verfügbare Software, weil es genau diese Funktion in dieser Form für den Schaltschrankbau nicht zu kaufen gibt. Genau das ist der Punkt.

Was sind die Vorteile eigenentwickelter Tools im Schaltschrankbau?

Eigenentwickelte Tools im Schaltschrankbau bringen vier konkrete Vorteile gegenüber Standardlösungen oder externer Entwicklung:

  • Präzise Passung. Das Tool macht genau das, was im eigenen Prozess gebraucht wird — nicht mehr und nicht weniger.
  • Geschwindigkeit. Von der Idee bis zum funktionierenden Werkzeug vergehen Tage oder Wochen, nicht Monate oder Jahre.
  • Flexibilität. Wenn sich der Prozess ändert, ändert sich auch das Tool. Keine Wartezeiten auf Releases oder Roadmaps externer Anbieter.
  • Unabhängigkeit. SCHUBS ist nicht darauf angewiesen, dass ein Softwareanbieter genau diesen Anwendungsfall abbildet oder priorisiert.

Diese Vorteile gelten besonders für Anwendungsfälle, die spezifisch für das eigene Unternehmen sind und für die kein Markt existiert, der einen Softwareanbieter zur Entwicklung einer Standardlösung motivieren würde.

Wann lohnen sich eigene Tools — und wann nicht?

Eigenentwickelte Tools lohnen sich nicht immer. Die ehrliche Faustregel:

Lohnen sich, wenn:

  • der Anwendungsfall klein und klar abgegrenzt ist
  • Standardsoftware den Prozess nur mit erheblichen Kompromissen abbildet
  • der Aufwand für externe Entwicklung in keinem Verhältnis zum Nutzen steht
  • das Tool intern verwendet wird (kein Compliance- oder Lizenzthema)
  • jemand im Team in der Lage ist, die KI-Assistenz produktiv einzusetzen

Lohnen sich nicht, wenn:

  • der Use Case komplex ist und viele Sonderfälle abdeckt
  • regulatorische Anforderungen (Datenschutz, IT-Sicherheit, Compliance) bestehen, die professionelle Entwicklung verlangen
  • das Tool unternehmenskritisch ist und langfristig gewartet werden muss
  • eine etablierte Standardsoftware den Bedarf zu 90 % oder mehr abdeckt

Bei SCHUBS gilt der Grundsatz: KI-gestütztes Coding ergänzt unsere bestehende Systemlandschaft aus EPLAN P8, ABAS ERP und Dakota — es ersetzt sie nicht. Eigene Tools schließen die Lücken, die zwischen den großen Systemen entstehen.

Was bedeutet das für andere Mittelständler?

Für viele mittelständische Fertigungsbetriebe ist KI-gestütztes Coding ein echter Hebel — und einer, der oft unterschätzt wird. Drei Punkte machen den Unterschied:

  • Weniger Warten. Statt monatelang auf externe Lösungen zu hoffen, kann man selbst handeln.
  • Mehr Umsetzen. Ideen, die früher als "schön wär's" abgehakt wurden, werden zu konkreten Tools.
  • Nähe zur Praxis. Wer das Tool baut, kennt den Prozess — oder kann den Prozess-Experten direkt einbinden.

Voraussetzung dafür sind zwei Dinge: eine offene Haltung gegenüber neuen Werkzeugen und mindestens eine Person im Team, die technisches Interesse mit KI-Assistenzwerkzeugen kombinieren kann. Beides ist im deutschen Mittelstand häufiger vorhanden, als die Selbstwahrnehmung der Branche oft vermuten lässt.

Wer diese beiden Voraussetzungen mitbringt, kann den eigenen Betrieb mit überraschend kleinem Aufwand spürbar verbessern.

Häufige Fragen zu KI-gestütztem Coding und eigenentwickelten Tools im Mittelstand

Was ist KI-gestütztes Coding? Softwareentwicklung mit Unterstützung von KI-Assistenten wie Claude, ChatGPT oder GitHub Copilot. Die KI hilft bei der Codeerstellung, beim Debuggen und bei der Anpassung — der Mensch behält die fachliche Steuerung und die Architekturentscheidungen.

Brauche ich einen Entwickler, um eigene Tools mit KI zu bauen? Nicht zwingend einen ausgebildeten Entwickler. Aber jemanden mit technischem Verständnis, der Anforderungen klar formulieren, KI-Output kritisch prüfen und einfache Anpassungen vornehmen kann. Im Mittelstand sind das oft Mitarbeitende mit IT-Affinität in Operations, Marketing oder Engineering.

Welche Tools entwickelt SCHUBS selbst? Aktuell unter anderem eine Anwendung für Montageassistenz und Bauteilplatzierung, OCR-basierte Erkennungstools für Komponenten in der Montagephase und automatisierte Verarbeitungs-Tools für eingehende Dokumente.

Ersetzt eigenentwickelte Software unsere Standardlösungen wie EPLAN oder ABAS? Nein. Die großen Standardsysteme bleiben Rückgrat der Fertigung. Eigenentwickelte Tools schließen die Lücken, die zwischen diesen Systemen entstehen oder die spezifisch für den eigenen Prozess sind.

Welche Risiken gibt es bei selbst entwickelten Tools? Die wichtigsten sind: keine professionelle Wartung, Wissensabhängigkeit von einzelnen Mitarbeitenden, fehlende Skalierbarkeit bei komplexen Use Cases und Compliance-Themen. Deshalb sollten eigene Tools auf klar abgegrenzte, interne Anwendungsfälle beschränkt bleiben.

Wann sollte ein Mittelständler externe Entwicklung beauftragen? Bei komplexen Systemen, unternehmenskritischen Anwendungen, regulatorischen Anforderungen oder wenn das Tool extern für Kunden verfügbar gemacht werden soll. KI-gestütztes Coding ist für interne, abgegrenzte Werkzeuge stark — nicht für vollwertige Produktentwicklung.

Wie startet man mit KI-gestütztem Coding im eigenen Unternehmen? Mit einem klar abgegrenzten Use Case, einer Person im Team, die technisch interessiert ist, und einem kommerziellen KI-Assistenten wie Claude oder ChatGPT. Der erste Prototyp sollte klein sein und ein konkretes Problem lösen — nicht eine ganze Plattform abbilden.

Sie überlegen, in Ihrem Betrieb eigene Tools zu entwickeln, oder fragen sich, wo der Hebel von KI-gestütztem Coding in der Fertigung liegt? Wir teilen unsere Erfahrungen aus dem Schaltschrankbau gerne. Sprechen Sie uns an.